Unterwegs auf den Vesterålen

Von Mikroplastik, Elfen und einem ehemaligen Polizeigebäude

Der Coronavirus wirbelt das Leben auf der ganzen Welt durcheinander. In der Zeit des ersten Lockdowns kommt bei mir beruflich alles zum Stillstand. Auch das Sozialleben ist eingeschränkt, Kontakte zu Familie und Freunden werden auf ein Minimum reduziert. An Reisen ist überhaupt nicht zu denken. In meiner kleinen Blase der Welt, wird Tempo aus dem Lebensalltag genommen. Es ist an der Zeit, über Ressourcen nachzudenken.
Über materielle Ressourcen ebenso wie über soziale Ressourcen und auch über eigene Prioritäten.

Der unfreiwillige Konsumverzicht, gepaart mit dem unfreiwilligen Gehaltsverzicht, rückt die Frage in den Vordergrund: „Was brauchen wir eigentlich wirklich zum Leben?“ Wie haushalten wir mit unseren privaten Ressourcen, aber auch mit den Ressourcen unserer Erde? Die Antworten auf diese Fragen sind unerfreulich und vielschichtig. Doch wo anfangen?

Was in der Pandemie offensichtlich wird: die Wegwerfgesellschaft zeigt sich von ihrer unerfreulichsten Seite. Plötzlich können Lebensmittel gar nicht genug in Plastik eingeschweißt sein, werden überall Einmalhandschuhe und -masken benutzt, die im Anschluss achtlos weggeworfen werden.
Fotos gehen viral, in denen Meerestiere an dieser neuen Form von Müll elendig versterben.

Und hier entsteht mein Vorsatz, meinen eigenen kleinen Beitrag zum Thema „Plastik vermeiden“ zu leisten! Tapfer, dass Ihr bis hierhin gelesen habt, obwohl noch kein einziges Wort mit Nordlandbezug geschrieben worden ist… Ihr fragt Euch, wie die Verbindung Corona – Plastik vermeiden – Nordlandverliebt zu Stande kommt?

Dann folgt mir nach Norwegen auf die Inselgruppe der Vesterålen!

Genauer gesagt, kommt mit in das kleine Dörfchen Dverberg auf der Insel Andøya und besucht mit mir das Alveland! Hier betreibt Rita King ein zuckersüßes Cafè und einen wundervollen Laden, in dem sie handgemachte, nachhaltige Naturseifen herstellt.

Und da ist sie, die Verbindung! Wie kann ich zur Vermeidung von Plastikmüll beitragen?

A) ich kann darauf achten, dass ich keine Produkte in Plastikverpackungen kaufe und B) vielleicht noch viel wichtiger, kann ich darauf achten, kein Mikroplastik in den Wasserkreislauf zu bringen. Mikroplastik findet sich leider ganz häufig in unseren Kosmetikartikeln wie Shampoo, Duschgel, Peeling, Make Up, Deo, Zahnpasta und vielem mehr. In diesen Produkten dienen die winzigen Plastikteile als Schleifmittel, Füllstoffe und Bindemittel und gelangen durch unseren Verbrauch über das Abwasser ins Meer und vergiften dort die Tier- und Pflanzenwelt.

 

Rita King hat eine Alternative zu (Mikro)Plastik gefunden: sie stellt Naturseifen her und hat uns einen Einblick in ihre Seifenmanufaktur ermöglicht.

Seife ist ein Ergebnis der chemischen Reaktion, die durch Mischen von Ölen mit Lauge (Natriumhydroxid) entsteht. Rita King setzt diesen Prozess ohne Erhitzen in Gang, um nicht die natürlichen Pflegesubstanzen und Vitamine aus den Rohstoffen „wegzukochen“. Diesen Produktionsschritt konnten wir bei unserem Besuch nicht sehen, wenn Ihr aber auf der Seite www.alveland.no vorbei schaut, könnt Ihr Fotos vom Bearbeitungsprozess anschauen.

Nach ca. 1 Tag Trocknungszeit werden die Seifenblöcke mit einer selbst hergestellten Schneidevorrichtung in kleine Stücke unterteilt, um dann für ca. 4 Wochen in den Trocknungsraum zu kommen, den wir besichtigen durften.

Rita erzählte uns, dass sie mit dem Herstellen der Seifen angefangen hat, da sie selbst auf die Inhaltsstoffe herkömmlicher Shampoos allergisch reagierte. Die ersten Seifen stellte sie in ihrer eigenen Küche her und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Sie begann mit Rohstoffen zu experimentieren und verschenkte zu verschiedenen Anlässen Seife an Familienangehörige und Freunde. Die Begeisterung für ihre Produkte war groß und irgendwann entstand daraus die Idee, ihre Seifen einem größeren Kundenstamm anzubieten. Heute könnt Ihr Ritas Seifen zum Beispiel in den Premiumkabinen der Hurtigrouten finden oder in ausgewählten Geschäften in Norwegens Großstädten.

Oder eben im Alveland. Denn irgendwann wurde Ritas Küche zu klein für die Produktion und sie fand das über 100 Jahre alte ehemalige Polizeihaus im Ortsteil Myre, das heute neben der Seifenmanufaktur samt Laden auch ein Café und Gästezimmer beherbergt.

Ach ja… die Geschichte zum Namen „Alveland“ will ich Euch nicht vorenthalten …

Einer Legende nach, soll die Insel Andøya früher einmal ein Elfenland gewesen sein (Elfe = norwegisch: Alv). Elfeninseln waren immer nur kurzzeitig auf der Meeresoberfläche sichtbar und versanken dann wieder für eine unbestimmte Zeit im Meer. Wenn der Googleübersetzer mich nicht narrt, dann hat jemand Stahl auf die Insel geworfen, als sie gerade einmal sichtbar war und sie somit daran gehindert, wieder im Meer zu verschwinden.

Bis heute leben die Elfen auf Andøya und wenn man großes Glück hat, kann man sie vielleicht an lauen Sommerabenden in der Nähe des Meeres oder am Fuße eines Berges entdecken. Überliefert ist auf jeden Fall die Tatsache, dass Elfen den Menschen reiche Gaben geben, wenn sie nachhaltig und wertschätzend mit der Natur umgehen … und so machte es Sinn, dass die Naturseifenmanufaktur den Namen „Alveland“ trägt!

Falls Du im Café einmal für „kleine Elfen“ musst, folge diesem Schild!

Heute experimentiere ich mit unterschiedlichen Seifen und Trockenshampoos und bin auf dem Weg zur Vermeidung von Plastikverpackungen und Mikroplastik. Leider war ich bei unserem Besuch im Alveland noch nicht an diesem Punkt und so habe ich die wunderschöne Nordlicht-Seife nur als besondere Erinnerung und Mitbringsel gekauft.

 

Für besonders liebe Menschen gab es daher im vergangenen Jahr ein Aurora-Weihnachtsgeschenk mit einer Seife von Rita aus dem Alveland.

Mein und Euer Glück: es gibt einen Online-Shop!!! Und hoffentlich im nächsten Jahr wieder die Möglichkeit nach Norwegen zu reisen und Nachschub zu kaufen!

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