Unterwegs auf den „Buttercup-Routes“ der Färöer Inseln

18 wilde Inseln mitten im Nordatlantik, irgendwo zwischen Schottland, Norwegen und Island verortet. Die Färöer Inseln – oder wie der Färinger sagen würde Føroyar, was übersetzt „die Schafinseln“ bedeutet. Bislang habe ich den Begriff „Färöer Inseln“ völlig falsch angewendet, denn mit der klassischen deutschen Übersetzung wird der Begriff der Insel eigentlich gedoppelt „Schafinseln Insel“. Okay, ab jetzt spreche ich von den Färöern im weiteren Text!

Kommen wir direkt zu weiteren Irrungen und Wirrungen im Zusammenhang mit den Färöern. Unter welchem Landesreiter lege ich diesen Artikel in meinem Blog ab? Sind die Inseln ein Teil von Dänemark oder sind sie ein autonomer Staat? Seit dem Vertrag von Fámjin (färöisch Fámjinsskjalið) im Jahr 2005 bilden sowohl die Färöer als auch Grönland „gleichberechtigte Nationen innerhalb des Königreichs Dänemark“. Ahhh jaaa… – die Färinger selbst betrachten sich eher weniger als Dänen, sondern vielmehr als ein eigenständiges Volk, das direkt von den Wikingern abstammt, die die Inselgruppe im Mittelalter entdeckt und besiedelt haben.

Für die BesucherIn ist es interessant, dass die Färöer nicht zur europäischen Union gehören, was zum Beispiel in Bezug auf die Handynutzung von Bedeutung sein kann. Die ca. 54.000 BewohnerInnen der Inselgruppe sprechen die färöische Sprache und drucken ihr eigenes Geld, die Färöische Krone. Die dänische Krone wird als Zahlungsmittel ebenfalls akzeptiert. Zieht man Geld aus dem Automaten, erhält man die färöische Krone, die man (so wurde mir gesagt) auf dem Festland allerdings nicht mehr zurücktauschen kann. Ich habe es sicherheitshalber nicht ausprobiert und die einheimischen Kronen im Supermarkt verbraucht.

Bevor ich jetzt zu den Buttercup Routes komme, hier noch ein paar Angeberfakten, die Du im nächsten Gespräch mit anderen Nordlandverrückten einsetzen kannst:

  • Die Färöer sind Vulkaninseln und als solche schon deutlich länger auf der Erdoberfläche zu finden, als zum Beispiel Island. Die färöischen Basaltinseln sind vermutlich 60 Millionen Jahre alt!
  • Die Färöer messen von Nord nach Süd nur 118 km und von West nach Ost lediglich 75 km – Du bist an keinem Ort auf den Inseln weiter als 5 km vom Meer entfernt!
  • Durch die Lage am Golfstrom ist das Klima auf den Inseln eher „mild“. Die Temperaturen betragen je nach Jahreszeit zwischen 3 Grad (Winter) und 11 Grad (Sommer). Das Wetter ist allerdings extrem wechselhaft und es kann sein, dass man an einem Tag alle Jahreszeiten im Zeitraffer durchläuft. Diese Wetterinstabilität hat den Färöern den Beinamen „Islands of Maybe“ eingebracht, den die britischen Soldaten im zweiten Weltkrieg im Hinblick auf das ständig wechselnde Wetter eingeführt haben.
  • Hauptsächlich sind die Färöer mit Gras bewachsen, Bäume sucht man hier vergeblich. Es gibt aber hunderte verschiedene Flechten, Moose, Pilze und Blütenpflanzen. Eine davon hat es zur „Nationalblume“ geschafft: die Sólja oder wie wir sagen würden: die Butterblume.

Und hier ist sie, die Überleitung! Die Butterblume markiert auf den Färöern die landschaftlich reizvollsten (Straßen) Routen. In diesem Artikel möchte ich Euch eine (vielleicht die schönste) Route auf der Insel Vágar im Westen der Färöer vorstellen. Die sogenannte Gásadasleid führt von Sørvágur nach Gásaladur und bietet über die gesamte Strecke wundervolle Ausblicke, da die Straße direkt am Meer entlangführt. In Sørvágur bietet sich die Möglichkeit, die Küstenstrecke per Boot zu erkunden. Aus meiner Sicht absolut lohnenswert, uns fehlte leider die Zeit zu diesem Ausflug. Aber auch von der Straße aus, lassen sich tolle Stopps einlegen, um entweder die vorgelagerten Felsen Tindhólmur, Gáshólmur oder bekannten Klippe Drangarnir zu fotografieren oder aber die pittoresken Dörfer Bøur und Gásadalur zu besuchen.

Kurz vor dem Ort Bøur lohnt sich ein Stopp bei der Unterkunft „The View“. Hier wurde eine moderne Ferienunterkunft geschaffen, die sich am klassischen färingischen Baustil orientiert und sich trotz ihrer Modernität absolut in die Umgebung einpasst. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf die vorgelagerten Felsenklippen.

"The View"

Der Ort Bøur stamt aus dem späten 19. Jahrhundert. Der Kern des Dorfes schart sich mit den klassischen schwarzen Häusern mit Grasdächern um eine weiße Holzkirche. Die ca. 70 ständigen BewohnerInnen des Ortes pflegen diesen aufwändig und gestalten die kleinen Gärten liebevoll mit bunten Blumen. Sogar der Blick aus dem Fenster der öffentlichen Toilette ist einmalig! Der Ort hat einen schmalen Sandstrand, der zum Verweilen einlädt und einen traumhaften Blick auf die vorgelagerten Felseninseln ermöglicht. Diese unbewohnten Miniinseln zählen übrigens nicht zu den 18 Inseln des Inselstaates – sie laufen quasi „nebenbei“.

Bøur
Ausblick aus dem Fenster des öffentliches WC in Bøur

Ein paar Kilometer weiter, nachdem man einen engen 1,4 km langen Tunnel durchfahren hat, gelangt man zum Ort Gásadalur. Vor dem Bau des besagten Tunnels im Jahr 2006 galt das Dorf als der abgelegenste Ort auf den Färöern. Ohne den Tunnel musste man nämlich einen beschwerlichen Bergweg auf sich nehmen, um einige wenige Bauernhöfe erreichen zu können. Heute ist der Weg unbeschwerlich und lädt die BesucherIn dazu ein, einen der meistfotografiertesten Wasserfälle der Inselgruppe zu besuchen – den Múlafossur. 20 Meter stürzt sich der Fluss Dalsá über eine senkrechte Felswand ins Meer. Es gibt einen schönen Rundweg um das kleine Dörfchen Gásadalur.

Múlafossur
Gásadalur

Besonders lohnt sich auch der kurze Aufstieg zum Sunset Viewpoint, der eine großartige Aussicht über das tosende Meer bietet und vor allem Vogelliebhaber anlockt, da hier die unterschiedlichsten Meeresvögel in großen Gruppen beobachtet werden können.

Der Blick vom Sunset Viewpoint

In Gásadalur endet die westlichste Straße der Färöer, so dass einem der Rückweg entlang des Sørvágsfjørður erneut die wunderschönen Ausblicke dieser großartigen Buttercup Route ermöglicht.

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