Icelandic Turfhouses

Grassodenhäuser auf Island

Als ich meine erste Reise nach Island plante, strahlte mir auf dem Cover der Straßenkarte ein putziges, kleines Haus mit einem Grasdach entgegen. Ganz ehrlich: von Grassodenhäusern hatte ich bis dato nichts gehört, fand sie aber äußerst niedlich und nahm mir fest vor, bei meiner Reise auf der Ringroad die Augen nach diesen Gebäuden offen zu halten.

Vorweggenommen: es gibt viele Grassodenhäuser auf Island, allerdings musste ich feststellen, dass es ganz unterschiedliche Arten von Turfhouses gibt. In diesem Artikel zeige ich Euch ein paar meiner Fundstücke. Wir beginnen mit den „Originalen“ Turfhouses, die heute den Besuchern als Museum zugänglich sind und einen guten Eindruck in das harte Leben der frühen Siedler auf Island geben. Die Idee, Wohnraum in die Erde zu bauen und mit dicken Grassschichten zu belegen, ist auf Island eher aus der Not geboren worden. Die Vikinger siedelten und begannen ihren Baustil der Langhäuser auf der Insel anzusiedeln. Allerdings war, auf der vergleichsweise kleinen Insel, kein großer Baumbestand vorhanden und wirklich vorrausschauend wurde die Ressource Holz leider auch nicht behandelt. So ergab sich die Notwendigkeit, alternative Materialien zum Wohnungsbau zu nutzen – aus Materialien, die reichlich vorhanden waren und zugleich ausreichend Schutz vor Kälte, Sturm und Nässe bot: Torf sorgte für eine gute Wärmeisolation und die Grassoden auf dem Dach – im richtigen Winkel gebaut – boten mit ihrem verfilzten Wurzelwerk einen guten Regenschutz. 

Glaumbær

 

Glaumbær ist ein wunderschöner, mit viel Liebe zum Detail erhaltener Torfhof im Norden Islands und beherbergt heute ein Freilichtmuseum. Die ältesten erhaltenen Gebäudeteile des Hofensembles stammen aus dem beginnenden 19. Jahrhundert. Das Ensemble von Torfhäusern, Kirche und ehemaliger Schule ist sehr gut erhalten und die Besichtigung der Innenräume ist absolut empfehlenswert!!!! Insgesamt 14 Häuser sind noch vorhanden, die letzten „echten“ Bewohner zogen 1947 aus. Seitdem werden die originalen Zeugnisse isländischen Lebens durch das isländische Nationalmuseum betreut. Aber schaut selbst!

Skogar

Neben dem bekannten Wasserfall, dem Skogarfoss, gibt es das ebenfalls sehr bekannte Skogarmuseum. Hier haben wir auf einen Besuch des Museums samt Zugang zum Innenbereich der Turfhouses verzichtet. Aber bereits vom Parkplatz aus hat man einen großartigen Blick auf das Gebäudeensemble, das mich damals bei meinen Reisevorbereitungen vom Cover der Straßenkarte ansah. Allerdings muss man hier ehrlicher weise anmerken, dass die Häuser nicht originär an diesem Ort gebaut wurden. In den 1960er Jahren wurden die heute zu besichtigenden Häuser aus verschiedenen Teilen Islands an den Ort des Museums verbracht, um dort in einem guten Erhaltungszustand gebracht zu werden und zu bleiben.

Es gibt einen schönen Bericht von „Willi wills wissen“ über diese Häuser, ich verlinke ihn Euch einmal.

Núpsstaður

Die Núpsstaður turf farm liegt im Süden Island, quasi direkt an der Ringroad. In unmittelbarer Nähe zur Farm thront der majestätische Berg Lómagnúpur, welcher gut 670 Meter hoch ist, leider habe ich ihn nicht mit fotografiert. Aus Gründen, denn die alte Farm liegt auf Privatgelände und ist daher nicht mehr zugänglich. Ich habe meine Fotos mit einem Teleobjektiv geschossen und habe es bedauert, dass ich nicht ein wenig näher herangekommen bin. Allerdings sieht man hier sehr eindrücklich, was mit den Grassodenhäusern passiert, wenn sie nicht aufwendig erhalten werden.

Víðimýrarkirkja

Viele der alten Torfhöfe hatten eigene kleine Kirchen. Einige sind noch heute erhalten und bilden das Erbe der Turf Churches. Víðimýrarkirkja gilt als eine der besterhaltenden Kirchen, sie ist in der Hauptsaison (die wir knapp verpasst haben) auch für Besucher zugänglich. Erbaut im Jahr 1834 hat sie wesentlich ältere Glocken, die ca. 1630 entstanden sein müssen. Diese Turf Church wird gepflegt und immer wieder aufwändig restauriert, das letzte Mal zwischen 1997 und 1998. Man findet Víðimýrarkirkja in Skagafjörður – Vorsicht, man fährt schnell daran vorbei, die Kirche ist eher klein und liegt etwas zurück.

Þjóðveldisbærinn

Neben den originalen Torfhäusern und – Torfkirchen gibt es einige rekonstruierte Höfe, die nach archäologischen Funden in der Nähe dieser Fundorte aufgebaut wurden. Þjóðveldisbærinn im Þjórsárdalur- Tal im Süden Islands ist eines davon, vielleicht sogar das Schönste. Die Vikinger siedelten back in the days in dem wirklich wunderschönen Tal, nicht wissend, dass die Gefahr vom Vulkan Hekla in direkter Nähe war. So wurde der Torfhof nach einem Ausbruch verschüttet und erst 1939 durch Archäologen wieder frei gelegt. Ich hatte das große Glück und war ganz alleine auf diesem Hof unterwegs …. Bis zu dem Moment als ein Bus mit der Aufschrift „Game of Thornes- Tour“ eine Horde Touris ausspuckte. 

Ich lernte als jemand, der GoT nicht gesehen hat, dass hier wohl eine Szene gedreht wurde, ein blutiges Gemetzel, bei dem nur ein Junge überlebte. Schwer vorstellbar, so friedlich wie mir dieser Ort erschien …

Skálholt and Þorláksbúð

Ein weiteres „hypothetisches Grassodenhaus findet man in Skálholt quasi auf dem Golden Circle. Skálholt besteht aus einer relativ großen modernen Kirche, der Skálholtsdómkirkja, dem Wohnsitz des Weihbischofs und einem kleinen Schulkomplex. Der Ort hat eine große Bedeutung für die Geschichte Islands, war er doch seit dem Mittelalter neben Hólar der wichtigere Bischofssitz von Island und war über viele Jahrhunderte kulturelles und politisches Zentrum des Landes. Hier und heute soll es aber um das Grassodenhaus gehen, dass neben der modernen, strahlend weißen Kirche irgendwie fehlplatziert aussieht.

Þorláksbúð wurde 2012 auf den Ruinen einer früheren Kirche erbaut, die bereits 1954 freigelegt wurden. Die Ruinen stammen von der alten Þorláksbúð, die aus dem Jahr 1527 stammt. Das Gebäude beherbergt heute eine Bibelausstellung, die als wichtigstes Ausstellungsstück eine Bibel von 1584 zeigt.

Herjólfsbærinn

Auch auf den Westmann Inseln gibt es rekonstruierte Grassodenhäuser. Freundlicherweise standen sie direkt auf meinem Campingplatz! Sie wirken eher ungastlich und die Recherche ergibt, dass sie für den sehr ursprünglichen Torfhaus-Stil stehen, der den Wikingern ungefähr im 10. Jahrhundert als Wohnstatt gedient haben soll. Die Ruinen wurden 1924 entdeckt und in den 1970 er Jahren archäologisch erforscht. Unklar ist, ob man mit den Ruinen von 3 Langhäusern und weiteren kleinen Gebäuden vielleicht sogar auf die Behausung des ersten Siedlers auf den Westmann Inseln, Herjólfur Bárðarson (ca.900 n.Chr.) gestoßen ist.

Sjómannagarðurinn

Auf der Halbinsel Snæfellsnes in Hellissandur findet man die Þorvaldarbúð – eine Fischer- Torfhütte. Sie befindet sich im „Fishermen´s Garden“, der zum Fischer-Museum gehört und gilt als eine der am längsten bewohnten Fischer-Hütten. Das Museeum ist für all diejenigen interessant, die sich mit den harten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Fischer im Westen Islands beschäftigen möchten. Wundervoll: im Hintergrund hat man einen tollen Blick auf den Snæfellsjökull.

Sauðhúsvöllur

Last but not least möchte ich auch noch die kleinste Form der Grassodenhäuser vorstellen: die Torf-Schutzhütten. Direkt an der Ringroad in der Nähe vom Seljalandsfoss befindet sich eine solche Schutzhütte, die allerdings nicht aus alten Tagen der ersten Siedler stammt, sondern 1948 von einem Farmer gebaut wurde, um Schutz für Menschen, die auf den Bus warteten zu schaffen oder auch einen sicheren Platz für Milchkannen zu bieten, bis diese vom Milchwagen abgeholt wurden. Diese Schutzhüte war bis in die 1960er Jahre in Gebrauch und wurde zum Glück erhalten.

Wenn reisen wieder möglich ist, möchte ich gerne nach Island zurück kehren und viele, viele weitere Grassodenhäuser aufsuchen. Vielleicht gibt es dann irgendwann einmal den Artikel “Icelandic Turfhouses” Teil 2

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