Rømø und der Walfang

Rømø kennen die meisten Dänemarkurlauber als die Insel im Wattenmeer, die vor allem durch kilometerbreite, befahrbare Sandstrände besticht. Seit 1948 ist die Insel zudem durch die Fertigstellung des Rømø-Dammes leicht für Urlauber zu erreichen. Keine Frage, die Insel ist ein tolles Reiseziel, wenn man sich so richtig vom Nordseewind durchpusten lassen möchte, gerne spazieren geht, surft oder kitet und die Dünen- und Wattlandschaft erkunden möchte.

Aber Rømø hat noch mehr zu bieten. Auf Rømø – genauer gesagt im Nationalmuseum „Kommandørgården“ kann man alles über das harte Leben der Inselbewohner im 17.- 19. Jahrhundert erfahren.

Logischerweise haben die Menschen auf Rømø in erster Linie vom Fischfang gelebt. Allerdings war es immer schwer, mit einheimischen Fischfang ausreichend Einkommen zu erwirtschaften. So machten sich die Männer und ihre Söhne von Rømø aus auf und heuerten auf den großen niederländischen und deutschen Walfangbooten an, die vor Grönland und Spitzbergen in eisiger See nach Walen und Robben jagten. Ein harter Job, der jedes Jahr viele Tote forderte, denn die Schiffe, mit denen die Männer in der arktischen See unterwegs waren, würde man heute wohl als Nussschalen einstufen. 1777 starben 22 Bewohner Rømøs in der eisigen See.

Aber nicht nur das Leben der Männer auf den Walfangbooten war hart. Die Frauen blieben auf einer, damals noch unzugänglichen, Insel alleine zurück und mussten die kargen Äcker bewirtschaften, das Vieh versorgen und die Familien ernähren. Ja, der Walfang brachte einen gewissen Wohlstand auf die Insel, aber die Entbehrungen waren groß. 

Wenn die Männer nach Hause kamen, fanden sie sich nur schwer im Alltagsleben auf der Insel ein. Im Eismeer waren sie auf Grund ihrer profunden Seefahrerkenntnisse häufig die Kommandeure der Schiffe und vermissten ihre Position und Aufgaben auf der Insel. Im Museum sind sogenannte Kommandeurs Kajüten zu sehen: winzige Zimmer, die wie eine Kajüte auf See eingerichtet waren um dem Seemann an Land eine Rückzugsmöglichkeit zu geben.

Eine weitere Besonderheit auf der Insel war die Verwendung von mitgebrachten Walknochen. Holz gab es auf der Insel wenig, die heutigen Wälder von Rømø wurden erst in der Neuzeit angepflanzt und erweitert. Die Männer brachten von ihren Fahrten die Kieferknochen der gefangenen Wale mit nach Hause um sie zu verarbeiten. Die Kieferknochen dienten als Holzersatz und wurden dann Errichtung von Gartenzäunen oder auch beim Bau von Eingangsportalen der Häuser verwendet.

Vor dem Museum findet man noch heute einen Walknochenzaun. Ehrlich gesagt muss man wissen, wo er steht und was einen dort erwartet.  Denn die Witterung der Insel nagte beständig an dem organischen Material, was munter vor sich hin verrottete. Ursprünglich war der Zaun auch noch wesentlich grösser und reichte bis an den Hof heran. 1977 wurde der Zaun unter Denkmalschutz gestellt und wird seitdem beständig restauriert.

Ein Besuch im Kommandørgården lohnt sich wirklich! Die unendlich weiten Sandstrände allerdings auch …

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